Kaisersteinbruch liegt als Hangsiedlung geographisch im Norden des Burgenlandes und direkt an der Grenze zum Bundesland Niederösterreich. Der Ort war bereits in Urzeiten bewohnt, wie Bodenfunde von prähistorischen Pferden beweisen. Die aus dem Norden nach Italien gehende Bernsteinstraße führte als wichtige Handelsstraße unweit der Örtlichkeit vorbei. Die Gegebenheiten am Leithagebirge  und in Kaisersteinbruch sind vor allem sind durch Steinbrüche gekennzeichnet, die bereits in der Römerzeit genutzt wurden. In der Zeit der Zugehörigkeit Kaisersteinbruchs zum magyarischen Königreich, war der Ort unter seinem ungarischen Namen Császárkőbánya bekannt und wurde als Teil Deutschwestungarns erst am 25. Jänner 1921  durch das Bundesverfassungsgesetz über die Stellung des Burgenlandes als selbständiges und gleichberechtigtes Land im Bund und über seine vorläufige Einrichtung in die Republik Österreich aufgenommen.

Um 900 gelangte das Gebiet des heutigen Burgenlandes durch Eroberungen unter ungarische Herrschaft.  Nach der Schlacht am Lechfeld 955 wurde durch den Turkstamm der Petschenegen die Grenzschutzorganisation Gyepű zur Verteidigung des magyarischen Reiches ausgebaut. Im Jahre 1203 kam das Gebiet um Breitenbrunn, Winden, Jois und Kaisersteinbruch in den Besitz des Ordens der Zisterzienser von Heiligenkreuz im Wienerwald, welcher das Jagdgebiet des ungarische Königs Emmerich zum Geschenk bekam. Die Grundherrschaft des Ordens hatte ihren Verwaltungssitz im Schloss Königshof. Der Orden der Zisterzienser plante eine „Verlegung der Cisterce Heiligenkreuz vom Wienerwald nach Westungarn“, wie Hermann Watzl im Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich (1958-1960) zu berichten weiß. Hierbei wurde mit einem Kirchenbau in der Nähe begonnen, dessen Reste heute nicht mehr erhalten sind und unter dem Namen Ödes Kloster bekannt waren. Durch die wirtschaftliche Herrschaft der Zisterzienser wurde das Gebiet im burgenländisch-westungarischen Raum kultiviert und die Verwaltungseinheiten errichtet. Hierfür brauchten die Bruderschaft Arbeiter für den Bau der Gebäude, wodurch eine kleine Siedlung am nordöstlichen Hang des Leithagebirges entstand.

Durch die rege Bauwut der Aristokratie in der Reichshauptstadt Wien wanderten in der Renaissance Steinmetzmeister aus dem schweizerisch-italienischen Gebiet sowie aus anderen Teilen Europas ein, die sich im Ort mit dem damaligen Namen Steinbruch oder Heiligenkreuzer Steinbruch niederließen und eine Art „Kolonie“ gründeten. Durch die Expertise und das Wissen um den architektonischen Kanon der Renaissance, waren die damals Welschen genannten Italiener für das ab 1573 erbaute Schloss Neugebäude in Kaiserebersdorf von besonderem Interesse, wodurch sie sich über die Jahre einen soliden Ruf als Steinmetzmeister erarbeiteten und der Ort durch kaiserliche Privilegien zum kayserlichen Steinbruch am Leithaberge aufstieg. In Kaisersteinbruch wurde eine Zunftbruderschaft errichtet, welche als Viertellade von der zünftischen Hauptlade in Wiener Neustadt unterstand. Die Steinmetzzunft bestand bis 1908.

Im Jahre 1867 wurde auf ungarischer Seite einer der größten Truppenübungsplätze der Donaumonarchie errichtet. Im Zuge der Ausweitung des militärischen Geländes verkaufte der Orden der Zisterzienser 1912 das Gebiet an das k. u k. Kriegsministerium. In der Folge entstanden Strukturen für Lager, die durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Europa des 20. Jahrhunderts zur Unterbringung von Gefangene, Kriegsgefangene, Flüchtlinge sowie die sowjetische Besatzung dienten.

Im Jahre 1938 wird auf Befehl des nationalsozialistischen Regimes die gesamte Anwohnerschaft Kaisersteinbruchs ausgesiedelt und der Ort in ein entstehendes Kriegsgefangenenlager integriert. Die Aussiedlung erfolgt durch die DAG – Deutsche Ansiedlungsgesellschaft, welche die Bewohnerschaft bei der Vergütung der alten und bei der Suche einer neuen Wohngelegenheit unterstützt. Der Großteil der Bevölkerung zieht in die nähere Umgebung nach Wien, Bruck/Leitha oder die Gegend des heutigen Nordburgenlandes, wobei einige wenige auch weiter weg in die südwestlichen Teile des heutigen Österreichs ziehen. Bereits 1938 wird ein Durchgangslager mit dem Namen DULAG J errichtet, welches in der Folge bis 1945 als Mannschaftsstammlager für internationale Kriegsgefangene mit dem Akronym STALAG XVII A geführt wird und mit eine jährlichen Durchschnittsbelegung von etwa 70.000 Kriegsgefangenen belegt ist. Im Lager befinden sich französische, belgische, italienische, britische, amerikanische, sowjetische, bulgarische, rumänische, slowakische, jugoslawische und griechische Kriegsgefangene, wobei die Franzosen, gefolgt von den Russen, die größte Gruppe bilden. In der Hierarchie der Kriegsgefangenen gibt es große Unterschiede, indem die sowjetischen und alle den slawischen Völkern zugrechneten Kriegsgefangenen an letzter Stelle stehen und dementsprechend schlechtere hygienische und soziale Bedingungen sowie willkürlicher Gewalt, Drangsale und körperlicher Schwerarbeit ausgesetzt sind. Aus kriegspolitischer Sicht, nachdem Italien nicht mehr Bündnispartner Deutschlands ist, verschlechtern sich auch die Bedingungen italienischer Kriegsgefangener. Die Franzosen und Belgier sowie die sehr wenigen Briten und Amerikaner unterstehen im Gegensatz zu den Russen der Genfer Konvention, weshalb sie in den Lagern grundsätzlich bessere Lebensbedingungen erfahren.

Als zu Ostern 1945 die Rote Armee ihren Vormarsch nach Westen hat, entschließt man das Lager zu räumen, wodurch alle marschfähigen Kriegsgefangenen, etwa 15.000 Mann, unter Begleitung der Wachmannschaften zu Fuß in Richtung Westen nach Oberösterreich in Marsch gesetzt werden. Zurück bleiben etwa 1.000 kranke Gefangene, in der Mehrzahl Russen und Rumänen, deren Zahl sich aber nach Ostern, mit den bei den umliegenden Bauern auf Arbeit gewesenen und nun in das Lager zurückkehrenden Gefangenen, vor allem Jugoslawen und Franzosen, auf ca. 4.000 Kriegsgefangene ohne Bewachung erhöhte. Die ca. zwanzig Mann Bewachung, meist Wiener und Niederösterreicher, flüchteten selbst und ließen die Gefangenen allein. Am 3. April sprengten dann zurückflutende SS-Formationen die drei Leithabrücken und zogen in Richtung Wien ab. Als die deutschen Truppen abgezogen waren, übernahmen ca. 300 englische Kriegsgefangene sofort das Kommando über alle im Lager befindlichen Kriegsgefangenen.

Nach 1945 dient Kaisersteinbruch bis zu ihrem Abzug 1955 als Besatzungslager der sowjetischen Truppen. In dieser Zeit ist das Lager von etwa 2.000 sowjetischen Militär- und Zivilpersonen bewohnt, wobei es als Auffanglager für displaced persons und vertriebene Flüchtlinge dient.

Erst im Jahre 1951 wird Kaisersteinbruch durch einen Beschluss des Burgenländischen Landtages die politische Wiedererrichtung der Gemeinde beschloss, wobei der Gesetzesbeschluss Nr. 2 erst 1952 ohne Information der Gemeinde erfolgt. Siehe im Landesgesetzblatt seit 1921.

Im Jahre 1956, mit dem Ausbruch des ungarischen Volksaufstandes, wird das Lager von Kaisersteinbruch zu einem der größeren Auffanglager der geflüchteten Bevölkerung. Das Jahr 1956 stellt die bislang größte Herausforderung für das Burgenländische Rote Kreuz dar.

__________________________________________

Information in English will follow soon

Informations en français en préparation

Informazioni in italiano in preparazione

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements