Am 17. März 1938 besetzen deutsche Einheiten den an der Brucker Pforte gelegenen Truppenübungsplatz und übernehmen das in Kaisersteinbruch befindliche Lager samt Kasernengebäuden. Das Gelände befindet sich damals im Wehrmachtsbezirk XVII, welcher für das Gebiet Wien, Niederösterreich und das Nordburgenland zuständig ist und unter dem Namen Gau Niederdonau firmiert. In der Folgezeit plant das Regime den Ort Kaisersteinbruch und einige benachbarte Gemeinden zu militärischem Sperrgebiet zu erklären, die dort ansässige Bevölkerung auszusiedeln und den Truppenübungsplatz zu erweitert und auszubauen. Laut einer Bestandsmeldung des Wehrmachtsoberkommando (OKW) ist das Lager in Kaisersteinbruch vom Jahr 1938 bis zum Jahre 1939 als Durchgangslager unter dem Namen DULAG J in Verwendung.

In Kaisersteinbruch wird ab September 1939 bereits das Mannschaftsstammlager STALAG XVII A errichtet, welches eines der ersten Wehrmachtslager in der Ostmark und zugleich auch eines der ersten Internierungslager des gesamten Reichsgebietes darstellt. Das Lager befindet sich damals am östlich Rand der umgesiedelten Gemeinde und setzt sich aus Lager I und II zusammen. Während das Lager I aus 41 gemauerten und vier kleineren Baracken aus der k. u. k. Zeit besteht, stammen die im Lager II erbauten 31 Holzhütten mitsamt acht kleinerer Gebäude aus der Zeit des Dritten Reiches. Im Jänner 1941 erreicht das Lager bereits nach kurzem Bestehen mit insgesamt 73.583 Soldaten, 970 Offizieren und 220 Zivilpersonen seine Maximalkapazität. In den Jahren danach pendelt die Zahl der Insassen zwischen 25.500 und 53.000. Im Februar 1945 sind durch den Überprüfungsbericht des IRKR insgesamt 26.470 Gefangene verzeichnet.

Der Großteil der Gefangenen besteht während der gesamten Lagerbestandszeit aus französischen Kriegsgefangenen, wobei ab dem Sommer 1941 Jugoslawen und Serben, ab Dezember desselben Jahres Russen und im Herbst 1943 Italiener die zweitstärkste Gruppe bilden. Weitere vertretene Nationalitäten sind Amerikaner, Belgier, Holländer, Engländer, Griechen, Polen und Tschechen. Der Hauptanteil der französischen Kriegsgefangenen hat damals zur Folge, dass die Franzosen durch eine autonome Selbstverwaltung das Lagerleben dominant mitbestimmen, indem sie in verschiedensten Werkstätten und Schreibstuben mitarbeiten. Die Briten bilden im Lager I sogar ein mit Stacheldraht vom restlichen Gelände abgeteiltes Teillager. Das Lager I wird nach einer pandemischen Ausbreitung von Krankheiten durch die russischen Kriegsgefangenen am 18. April 1942 von den gesamten Kriegsgefangenen anderer Nationen evakuiert, wodurch aus dem Lager I das sogenannte „Russenlager“ entsteht. Zusammen mit den slowakischen, rumänischen und bulgarischen Kriegsgefangenen der ehemaligen Verbündeten, nehmen die Russen in den letzten beiden Jahren des Krieges, hinsichtlich der „rassenpolitischen“ Zugehörigkeit zu den slawischen Völkern, die niedrigste Stellung der Lagerhierarchie ein.

Als mit dem sukzessiven Ende des Krieges im Jahre 1945 die Rote Armee im Anmarsch aus dem Osten ist, wird wie in allen Lagern des XVII. Wehrkreises zwischen Ende März und Anfang April der Befehl zur Evakuierung der Insassen in westlicher Richtung gegeben, um diese in ein für die Sowjetischen Truppen noch schwer zu erreichendes Gefangenenlager zu transferieren. Die in Kaiersteinbruch zurückgelassenen Soldaten verbleiben nach der Befreiung und vor ihrer Repatriierung noch für einige Zeit im Lager, welches in der Folgezeit zusätzlich durch die Einquartierung von „Displaced Persons“ (DP‘s) bevölkert wird. Ab 1945, die Ortschaft Kaisersteinbruch liegt in der russischen Besatzungszone, leben ungefähr 4.500 Menschen russischer Herkunft im Lager. Vor der Einquartierung der Besatzungssoldaten und ihren Familien dient das ehemalige STALAG XVII A als Lager Nr. 306, wo „Staatsverbrecher“ interniert sind, welche Anfang Mai 1946 nach Leninabad in Zentralasien und Szeged verbracht werden.

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The history of STALAG XVII A in English

L’histoire du STALAG XVII A en français

La Storia dello STALAG XVII A in italiano

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